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42. Jahrgang Heft 2 Februar 2019

Editorial
Dr. Tanja Saußele, Stuttgart


Pharmakologie aktuell
Larissa Tetsch, Maisach
Kleine Moleküle mit vielfältigen Wirkungsmechanismen

Viele Krankheiten entstehen durch fehlgefaltete Proteine, die toxische Aggregate bilden und dadurch Zellen schädigen. Die Produktion solcher Proteine lässt sich durch Antisense-Oligonukleotide (ASO) unterdrücken, die sich aufgrund ihrer komplementären Struktur an Transkripte anlagern. Die Bildung des DNA-RNA-Hybridstrangs aktiviert dann meistens die Ribonuklease H, die den RNA-Strang abbaut. Bestimmte ASO verhindern allerdings stattdessen die Anlagerung der Ribosomen oder verändern den Spleißprozess. Vor allem Letzteres bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten zur Korrektur von Gendefekten, die von einer Wiederherstellung der Proteinaktivität über eine Erhöhung der Transkriptmenge bis zur Ausschaltung eines Proteins reichen. Chemische Modifikationen machen moderne Antisense-Oligonukleotide resistent gegen Nukleasen und verbessern die Wirksamkeit. Zurzeit sind über 100 ASO-Wirkstoffe in der klinischen Entwicklung, erste Zulassungen erfolgten bereits für die Behandlung der Duchenne-Muskeldystrophie, spinalen Muskelatrophie und hereditären Transthyretin-Amyloidose. Aktuelle Forschungen konzentrieren sich darauf, die Aufnahme der Wirkstoffe in die Zellen zu verbessern.

Antisense oligonucleotides – small molecules with various modes of action

Many diseases result from misfolded proteins that form toxic aggregates which are harmful for cells. Production of such proteins can be suppressed by antisense oligonucleotides (ASO) that bind to transcripts due to their complementary sequence. Formation of a DNA-RNA-hybride strand activates ribonuclease H which cleaves the RNA strand. Certain ASO also sterically block the assembly of ribosomes or manipulate the splicing process. Especially the latter offers a variety of possibilities to correct gene defects ranging from reconstituting a protein’s activity to increasing the amount of a transcript or to deleting a protein completely. Chemical modifications make modern antisense oligonucleotides resistant against nucleases and improve efficacy. At the moment, there are more than 100 ASO-based agents in clinical development and first drugs have been approved for the treatment of Duchenne muscular dystrophy, spinal muscular atrophy and hereditary transthyretin amyloidosis. Recent research focuses on improving the delivery of ASO-based drugs into the cells.

Key words: antisense oligonucleotides, DNA-RNA-hybrid strand, splicing defects, RNA processing, inherited diseases



Übersicht
Cihan Gani und Daniel Zips, Tübingen
Eine neue Ära in der Radioonkologie

Die Strahlentherapie behandelt Tumorerkrankungen unter Einsatz ionisierender Strahlen. Eine neue Generation von Bestrahlungsgeräten – die sogenannten MR-Linacs – besitzt einen integrierten Kernspintomographen und ermöglicht die Erstellung hochauflösender Schnittbilder unmittelbar vor oder auch während der Bestrahlung des Patienten. Die neue Technologie wird aktuell in Studien erforscht und hat ein großes Potenzial, die Strahlentherapie in der Zukunft genauer und schonender zu gestalten. Der vorliegende Beitrag soll zunächst die bisherigen Standards und in der Folge das neue Gerätekonzept erläutern.

Online adaptive MR-guided radiotherapy: A new era in radiation oncology

A new generation of radiotherapy devices unites a linear accelerator and a magnetic resonance imaging machine (MRI), the so called MR-Linac. This technology permits to conduct MRI imaging immediately before or while a patient is irradiated. These images provide an unpreceded resolution and have the potential to apply radiotherapy more precise and with less side effects. This new concept is currently under investigation within clinical trials. The present article describes current standards in radiotherapy and the new technology.



Klinische Pharmazie
Barsom Aktas und MainArzt GmbH & Co. KG, Ochsenfurt
Ergebnisse eines Pilotprojekts

Die Einnahme von mehreren Arzneimitteln beeinträchtigt häufig die Wirksamkeit und die Sicherheit einer Arzneimitteltherapie. Um arzneimittelbezogene Probleme aufzudecken, sieht die Apothekenbetriebsordnung daher im Rahmen eines Medikationsmanagements die Medikationsanalyse vor, bei der möglichst viele Informationen zur Medikation zusammengetragen, Lösungen vom Apotheker vorgeschlagen und mit dem behandelnden Arzt Maßnahmen vereinbart werden. In einem gemeinsamen Pilotprojekt zwischen Ärzten und einem Apotheker wurde nun diese Verfahrensweise für eine Medikationsanalyse im Vorfeld vorbesprochen und festgelegt. Es wurde der Frage nachgegangen, inwieweit sie im Arbeitsalltag der Arztpraxen und der Apotheke Risiken in der Arzneimitteltherapie verringern kann. Bei 25 ausgesuchten Patienten zeigte sich, dass dem Arzt nur etwa zwei Drittel der Medikation überhaupt bekannt war. Zwei Fälle einer Doppelmedikation, drei relevante Interaktionen und sechs Arzneimittelnebenwirkungen wurden identifiziert. Diese wurden durch das Ändern der Medikation beseitigt. Eine 1,5 Jahre andauernde Lymphdrainage konnte dadurch beendet und ein geplanter Krankenhausaufenthalt vermieden werden. Insgesamt wurden zehn rezeptpflichtige Arzneimittel entweder durch OTC-Arzneimittel ersetzt oder entfielen ersatzlos. Diese Ergebnisse zeigen, dass die hier verwendete, abgestimmte Verfahrensweise zwischen Apotheker und Ärzten nach einer umfassenden Medikationsanalyse ein praxistaugliches Vorgehen ist, die Sicherheit der Arzneimitteltherapie für Patienten zu verbessern.



Bericht
Miriam Sonnet, Rheinstetten
Bericht von der 12. Diabetes Herbsttagung/34. Jahrestagung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft

Unter dem Motto „Fachübergreifende Versorgung – der Patient im Mittelpunkt“ trafen sich bei der 34. Jahrestagung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft und der 12. Diabetes Herbsttagung zahlreiche Experten, um gemeinsam über neue Erkenntnisse beider Krankheiten zu diskutieren. Im Fokus standen dabei unter anderem der interdisziplinäre Austausch bei der Therapie und neue, individuelle Behandlungskonzepte.



Fragen aus der Praxis
Prof. Dr. Thomas Herdegen
Fragen aus der Praxis beim MMP-Webinar

Am 6. November 2018 fand das MMP-Webinar zum Thema Osteoporose statt. Referent war Prof. Dr. Thomas Herdegen, Facharzt für Experimentelle Pharmakologie und seit 1996 Professor für Pharmakologie der Universität Kiel. Er erläuterte rund 600 Teilnehmern wichtige Aspekte der Osteoporosetherapie. Während und nach der Veranstaltung wurden zahlreiche praxisrelevante Fragen gestellt. Lesen Sie hier die Antworten.



Referiert & kommentiert
Gerrit Seifert, Mainz
Mit dem Messer gegen Übergewicht – welche Eingriffe bringen einen Nutzen?

Eine Vielzahl von chirurgischen Eingriffen am Magen soll Patienten helfen, krankhaftes Übergewicht in den Griff zu bekommen. Eine systematische Übersichtsarbeit bezüglich der Sicherheit und Wirksamkeit verschiedener bariatrischer Eingriffe bei älteren Patienten hat gezeigt, dass chirurgische Maßnahmen erfolgreich sind. Es kommt zu einer Verringerung des Körpergewichts und weiteren positiven Effekten. Im Vergleich der verschiedenen Verfahren hat sich der Roux-en-Y-Magenbypass (RYGB) als besonders vorteilhaft erwiesen.



Dr. Petra Jungmayr, Esslingen
Netzwerk-Metaanalyse bewertet unterschiedliche Behandlungsoptionen

Über die Wahl des geeigneten Therapieregimes zur Behandlung einer frühen kutanen Lyme-Borreliose bestehen kontroverse Ansichten. Daher sollte mithilfe einer Netzwerk-Metaanalyse geklärt werden, welches Vorgehen am sichersten und effektivsten ist. Indes konnte keine herausragende Behandlungsoption ermittelt werden. Für die Praxis bedeutet dies die Möglichkeit einer individuellen Therapieentscheidung.



Dr. Dr. Tanja Neuvians, Ladenburg
Calciumantagonisten und Statine: Langzeiteffekte bei Bluthochdruck

Die vorliegende Studie zeigt mögliche Langzeiteffekte von Calciumantagonisten und Statinen anhand von Mortalitätsdaten ehemaliger Teilnehmer der ASCOT-Studie, die über 16 Jahre nachbeobachtet wurden.



Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Zuckerlösung wirksamer als Glucocorticoid

In einer randomisierten, doppelblinden, kontrollierten Studie, durchgeführt an 54 Patienten mit leichten bis mittelschweren Symptomen eines Karpaltunnel-Syndroms, erwies sich die Behandlung mit einer 5%igen Dextrose-Lösung, injiziert in den Karpaltunnel, in einem Zeitraum von vier bis sechs Monaten nach der Injektion im Vergleich zur Injektion einer Triamcinolon-Lösung als wirksamer.



Dr. Tanja Saußele, Stuttgart
Bilder bringen mehr als 1000 Worte