Suche / Archiv


Erweiterte Suche

37. Jahrgang Heft 8 August 2014

Editorial
Tanja Saußele


Übersicht
Iris Hinneburg, Halle (Saale)
Brustkrebs-Früherkennung in der Diskussion

Wie groß Nutzen und Schaden der Programme zur Früherkennung von Brustkrebs ausfallen, wird derzeit unter Experten wieder kontrovers diskutiert. Im Zentrum der Debatte stehen vor allem das Risiko von Überdiagnosen sowie die ausgewogene Information der betroffenen Frauen.

Recent controversies over mammography screening

In the past months experts were discussing again the benefits and harms of mammography screening for the early detection of breast cancer. Main issues are the risk of overdiagnosis as well as the need of balanced information for women so that they could be able to make an informed decision whether they take part in mammography screening programs.



Uwe Gröber, Essen, Klaus Kisters, Herne, und Joachim Schmidt, Dresden
Komplementäre Medizin: Update 2014

Diabetes mellitus zählt weltweit zu den häufigsten endokrinen Krankheiten. Die Stoffwechselstörung ist verbunden mit hohem oxidativem Stress, mitochondrialer Dysfunktion und Entzündung von Gefäßen. Zudem kommt es zum Verlust von Mikronährstoffen; Defizite in der Nährstoffversorgung können das Krankheitsbild verschlechtern. Der folgende Beitrag behandelt die Bedeutung von Vitaminen, Coenzym Q10, Magnesium, Zink, Chrom und Kupfer bei Typ-1- und Typ-2-Diabetes in der komplementären Medizin. Es existieren Belege über den positiven Einfluss einer Supplementierung von Mikronährstoffen auf die glykämische Kontrolle und das Risiko von Komplikationen bei Diabetes.

Micronutrients in diabetology: complementary medicine update 2014

Diabetes mellitus is one of the most prevalent endocrine diseases that is associated with high oxidative stress and vascular inflammation. Type 1 and 2 diabetes are characterized by significant losses of important micronutrients such as vitamin C, magnesium, zinc or vitamin D due to metabolic basis of the disease, medication and/or its complications. The evidence of changes in micronutrient metabolism as a consequence of the disease and the influence of selective supplementation are reviewed in this paper. The importance of micronutrients, notably vitamin C, B-group vitamins, vitamin D, vitamin K, coenzyme Q10, magnesium, zinc, chromium and copper under practical conditions are assessed. There is a lot of evidence that demonstrates the positive influence of micronutrient supplementation on glycemic control and the risk of diabetic complications.



Bericht
Tanja Saußele, Stuttgart
Arzneistoff-Metabolismus – von gestern bis heute

Die unterschiedlichsten Facetten des Arzneistoff-Metabolismus wurden auf dem 20. internationalen Symposium Microsomes and Drug Oxidations (MDO) in Stuttgart vom 18. bis 22. Mai vorgestellt und diskutiert. Themen der Vorträge und Posterbeiträge waren im Zusammenhang mit Arzneistoff-metabolisierenden Enzymen und Transportern deren Regulierung, zirkadiane Einflüsse, epigenetische Faktoren und auch die Implementierung neuer Techniken für die Grundlagen- und klinische Forschung. Den Höhepunkt des Symposiums stellten die Vorträge zur 50-jährigen Entdeckung von Cytochrom P450 dar, in denen sowohl die Geschichte, Biophysik, Enzymmechanismen als auch Einflusse auf die menschliche Gesundheit aufgegriffen wurden. In diesem Bericht wird ein kurzer Überblick über die Historie der Cytochrom-P450-Enzyme gegeben und eine Auswahl weiterer interessanter Themen aufgegriffen.



Fragen aus der Praxis
Prof. Dr. Roland Radziwill, Fulda

Vitamin B12 kommt praktisch ausschließlich in tierischen Produkten (Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukten) vor. Der tägliche Bedarf beträgt nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung etwa 3 µg. Durch Salzsäure wird es aus den Nahrungsproteinen abgespalten und im terminalen Ileum mittels des Intrinsic-Factors, einem Glykoprotein aus den Parietalzellen des Magens, aktiv resorbiert. Unter säurehemmender Therapie mit Protonenpumpeninhibitoren (PPI) oder H2-Blockern kann es zu einer Vitamin-B12-Malabsorption kommen. In der Praxis wird diesem Mangel durch die intramuskuläre Gabe von Vitamin B12 entgegen gewirkt. Es stellt sich die Frage, ob das Defizit auch durch die perorale Zufuhr des Vitamins behoben werden kann.



Referiert & kommentiert
Dr. Katharina Arnheim, Freiburg
Multisystemerkrankung mit vielen Gesichtern

Die tuberöse Sklerose, eine genetisch bedingte Systemerkrankung, ist durch tumorartige Anomalien in fast allen Organen charakterisiert. Der typische Hautbefall ermöglicht vielfach eine frühe Blickdiagnose. Wegen des breiten Symptomspektrums ist die interdisziplinäre Betreuung betroffener Patienten obligat. Mit dem mTOR(mechanistic target of rapamycin)-Inhibitor Everolimus gibt es seit einigen Jahren erstmals eine ursachenorientierte Therapie der Erkrankung, die an der Überaktivität des mTOR-Komplexes ansetzt. Diagnostik und Therapie der tuberösen Sklerose waren Gegenstand einer von der Firma Novartis Oncology unterstützten Veranstaltung auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie (DGfE).



Iris Hinneburg, Halle (Saale)
Kein Nutzen für kognitive Entwicklung durch Fischöl-Supplementierung in der Schwangerschaft

Nach den Ergebnissen einer randomisierten kontrollierten Studie zeigt sich auch nach vier Jahren kein Entwicklungsvorteil für Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft langkettige Omega-3-Fettsäuren eingenommen haben.



Rika Rausch, Stuttgart
Zellfreie fetale DNA als Trigger für Entbindung


Rosemarie Ziegler, Albershausen
Kompressionsstrümpfe zur Prävention eines postthrombotischen Syndroms nicht hilfreich?

Die Ergebnisse einer nordamerikanischen Studie [1] stützen die Verschreibung elastischer Kompressionsstrümpfe nach tiefen Venenthrombosen nicht. In der großen multizentrischen Studie konnten sie die Entwicklung eines postthrombotischen Syndroms nicht wirksamer verhindern als Plazebo. Allerdings bestehen wegen methodischer Schwächen Zweifel an der Aussagekraft der Studie.



Helga Vollmer, M. A., München
Telemedizin bei Witwenhochdruck

Eine exakte Messung der Blutdruckwerte ist Grundvoraussetzung für das Erkennen einer Hypertonie – und für die entsprechende individuelle Therapie. Die Pulswellen-Analyse eignet sich als Messmethode zur Steuerung der Behandlung und zur Abschätzung der Prognose. Mithilfe der Telemedizin, bei der Patienten selbst dokumentierte Messwerte an ihren Arzt schicken, kann die Therapieadhärenz verbessert und der in Arztpraxen auftretenen „Weißkittelhypertonie“ vorgebeugt werden. Was es darüber hinaus mit dem weniger bekannten „Witwenhochdruck“ auf sich hat, wurde auf einem von der Firma Daiichi Sankyo Deutschland unterstützten Pressegespräch erläutert.



Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Estrogen und Venlafaxin vergleichbar wirksam

Frauen mit belastenden vasomotorischen Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und nächtlichen Schweißausbrüchen profitieren sowohl von der oralen Einnahme von niedrig dosiertem 17β-Estradiol als auch von niedrig dosiertem Venlafaxin. In einer Vergleichsstudie waren beide Arzneistoffe Plazebo signifikant überlegen. Der Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Venlafaxin kann damit als weitere Behandlungsoption für Frauen mit Wechseljahresbeschwerden empfohlen werden, wenn eine Estrogen-Therapie nicht infrage kommt oder abgelehnt wird.



Rosemarie Ziegler, Albershausen
Tadalafil zur Prävention wirkungslos

Bei Männern, die wegen Prostatakrebs bestrahlt wurden, verbesserte die tägliche Einnahme von 5 mg Tadalafil die erektile Dysfunktion nicht mehr als Plazebo. Das ist das Ergebnis einer in Nordamerika durchgeführten, randomisierten klinischen Studie.



Dr. Claudia Heß, Mainz
Unterstützung der Nervenregeneration bei Wirbelsäulen-Syndrom

Wirbelsäulen-Syndrome gehören zu den häufigsten Beschwerdebildern im klinischen Alltag. Die dabei oft geschädigten peripheren Nerven erzeugen für die Betroffenen einen hohen Leidensdruck und sind verknüpft mit zahlreichen Funktionsverlusten sowie Einschränkungen der Lebensqualität. Dabei gilt die Aussicht auf die Regeneration dieser Nerven als gut, wenn sie auch langsam verläuft. Ob und wie eine ergänzende Zufuhr von neurotropen Nährstoffen periphere Nervenreparaturprozesse wirksam unterstützen kann, wurde auf einer von der Firma Trommsdorff veranstalteten Pressekonferenz erläutert.



Rika Rausch, Stuttgart
Ist Bewegung eine effektive Therapiemaßnahme?

Ein Cochrane-Review ging der Frage nach, ob körperliche Bewegung zu einer größeren Reduktion von depressiven Symptomen führt als keine Behandlung, Plazebo oder aktive, kontrollierte Interventionen wie Entspannung und Meditation.



Ralf Schlenger, München
Elektronisches Injektionssystem erlaubt individuelles Therapiemanagement

Patienten mit multipler Sklerose (MS) wird künftig mit BetaconnectTM ein optimiertes Injektionssystem angeboten. Der elektronische Injektomat erlaubt nicht nur eine komfortable und sichere Injektion; in Verbindung mit einer App bietet er Dokumentations- und Erinnerungsfunktionen, die das Zusammenspiel zwischen Patient, Arzt und MS-Schwester optimieren. Mit dem neuen System wird eine Verbesserung der schwachen Adhärenz bei MS-Patienten angestrebt, wie bei einer Pressekonferenz der Firma Bayer in München deutlich wurde.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Der Diabetiker benötigt mehr als eine gute Stoffwechseleinstellung

Diabetes mellitus Typ 2 ist charakterisiert durch Begleit- und Folgeerkrankungen. Dazu gehören die arterielle Hypertonie und die diabetische Retinopathie. Die Behandlung dieser Erkrankungen standen im Mittelpunkt eines von der Firma Novartis anlässlich des diesjährigen Deutschen Diabetes Kongresses in Berlin veranstalteten Satellitensymposiums.



Dr. Claudia Bruhn, Schmölln
Hochleistungssport – auch mit Diabetes möglich

Wenn sich Diabetiker nicht nur moderat sportlich betätigen möchten, sondern ein intensives Training anstreben, sind einige Therapieanpassungen notwendig. In welchem Umfang sie vorgenommen werden sollten, wurde auf einem Pressegespräch im Rahmen der diesjährigen Frühjahrstagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) erläutert.



Simone Reisdorf, Erfurt
Experten empfehlen einheitliche Therapieziele

In Deutschland liegt das allgemeine HbA1c-Therapieziel für Kinder und Jugendliche mit Diabetes mellitus Typ 1 schon länger einheitlich bei 7,5 %. Die Experten der American Diabetes Association haben ihre Empfehlungen nun angepasst; die nach Alter gestaffelten Ziele werden abgeschafft. Für Diabetiker bis 19 Jahre wird nun einheitlich die Einstellung eines HbA1c-Werts von < 7,5 % angestrebt.