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40. Jahrgang Heft 2 Februar 2017

Editorial
Dr. Bettina Krieg, Stuttgart


Übersichten
Eva Krieghoff-Henning, Juliane Folkerts, Andrea Penzkofer und Susanne Weg-Remers, Heidelberg

Krebs ist durch die Proliferation von Zellen gekennzeichnet, die sich zentralen körpereigenen Kontrollmechanismen entzogen haben. Die einzelnen Krebserkrankungen werden nach ihrem Ursprungsorgan bzw. Ursprungsgewebe eingeteilt, zunehmend aber auch nach molekularen Eigenschaften der jeweiligen Krebszellen. Durch die rasanten technischen Fortschritte der letzten Jahre ist es inzwischen möglich, die molekularbiologischen Besonderheiten verschiedener Krebsarten im Detail und in vergleichsweise kurzen Zeiträumen zu analysieren. Das so generierte Wissen um die Entstehung und Fortentwicklung von Krebs kann genutzt werden, um präzisere Diagnostika und wirksamere und/oder nebenwirkungsärmere Krebstherapien zu entwickeln. Langfristiges Ziel ist es, jedem Krebspatienten eine optimal auf ihn und seine Erkrankung zugeschnittene Therapie zu ermöglichen.

Cancer – an overview

Cancer is characterized by proliferation of cells that have managed to evade central endogenous control mechanisms. Cancers are grouped according to their organ or tissue of origin, but increasingly also based on molecular characteristics of the respective cancer cells. Due to the rapid technological advances of the last years, it is now possible to analyze the molecular makeup of different cancer types in detail within short time periods. The accumulating knowledge about development and progression of cancer can be used to develop more precise diagnostics and more effective and/or less toxic cancer therapies. In the long run, the goal is to offer to every cancer patient a therapeutic regimen that is tailored to his individual disease and situation in an optimal way.



Bernhard Wörmann, Berlin
Grundlagen, Früherkennung, Diagnostik und Therapie

Das Mammakarzinom ist der mit Abstand häufigste bösartige Tumor der Frau. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 64 Jahren. Die Prognose der Patientinnen wird vor allem vom Stadium und von der Biologie der Erkrankung bestimmt. Brustkrebs ist im lokal begrenzten, im lokal fortgeschrittenen und im lokal rezidivierten Stadium heilbar. Die Therapie ist in diesen Krankheitsstadien multimodal. Neben der Operation umfasst sie die Bestrahlung sowie die medikamentöse Therapie. Im metastasierten Stadium ist der Therapieanspruch palliativ mit dem Ziel der Linderung von Symptomen und Verlängerung der Überlebenszeit. Durch die Fortschritte in der Diagnostik und der Therapie ist die krebsspezifische Mortalität in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken. Die relative 5-Jahres-Überlebensrate aller Patientinnen liegt bei 87 %, bei Patientinnen mit lokal begrenzten Stadien deutlich höher.

Breast cancer: basics, screening, diagnostics and treatment

Breast cancer is by far the most common malignancy in women. The median age is 64 years. Stage at diagnosis and biological features determine the prognosis. Patients with early breast cancer, with locally advanced disease and with locoregional relapse can be cured. Modern treatment is multimodal. It includes surgery, radiation and drug therapy. Patients with metastatic disease are treated with palliative intent. Aims are alleviation of symptoms and prolongation of survival. Breast cancer specific mortality has continually decreased in the past 10 years. Five year survival rate is 87% in Germany. Patients with early breast cancer have an even higher chance of cure.



Klinische Pharmazie
*Corinna Jansen und *Imke Ortland, Bonn

Trotz bedeutsamer medizinischer Fortschritte in der Tumortherapie spielen supportive Maßnahmen stets eine zentrale Rolle. Schwerwiegende tumor- oder therapiebedingte Symptome beeinträchtigen nicht nur die Lebensqualität des Patienten, sondern können vielmehr auch den angestrebten Therapieerfolg gefährden. Eine effektive Supportivtherapie ist daher von grundlegender Bedeutung. Sowohl in der öffentlichen Apotheke als auch in der Krankenhausapotheke leisten Apotheker durch kompetente Beratung und individuelle Betreuung dazu einen wesentlichen Beitrag. Anhand von Fallbeispielen aus dem Bereich der zytotoxischen sowie der zielgerichteten Tumortherapie gibt dieser Artikel einen Einblick in die Supportivtherapie bei Übelkeit und Erbrechen, Diarrhö und akneiformem Exanthem.

Supportive care of cancer patients illustrated by case examples

Despite important medical progress, supportive care still plays a central role in cancer therapy. Severe tumour- and therapy-related symptoms not only affect the patient’s quality of life, but can also compromise the therapy outcome. Therefore, an effective supportive care is crucial in cancer therapy. In community pharmacies as well as in hospital pharmacies pharmacists contribute essentially to supportive care through qualified advice and individual support. Case examples within the field of cytotoxic and targeted therapy provide insight into the management of nausea and vomiting, diarrhoea, and papulopustular rash.



Bericht
Abdol A. Ameri, Weidenstetten
Bericht vom 89. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) vom 21. bis 24. September 2016 in Mannheim

Wie bereits im Jahr zuvor stieß ein Symposium, das von der Kommission „Klinische Studien“ der DGN ausgerichtet wurde, auf besonderes Interesse der Kongressteilnehmer. Im Fokus der Veranstaltung standen die vielfältigen Anforderungen an neue, aussagekräftige Therapiestudien, insbesondere in Bezug auf geeignete Studiendesigns und Studienendpunkte sowie auf ihre Relevanz für den klinischen Alltag. Den Anwesenden wurde ein Potpourri von Themenkomplexen aus den verschiedenen Bereichen der Neurologie präsentiert.



Referiert & kommentiert
Prof. Dr. Egid Strehl, Freiburg
Implementierung in die klinische Praxis

Für das Estrogenrezeptor-positive Mammakarzinom ist das Prodrug Tamoxifen seit Jahrzehnten für die adjuvante Therapie zugelassen. Patientinnen mit einem Poor-Metabolizer(PM)-Status hinsichtlich ihrer CYP2D6-Aktivität – etwa 8 % der Europäer – bilden zu wenig vom aktiven Metaboliten Endoxifen mit der Folge früherer und häufigerer Rückfälle. Eine Genotypisierung vor Therapiebeginn ermöglicht es, PM-Patientinnen eine Alternativbehandlung mit einem Aromatase-Inhibitor anzubieten. 6-Mercaptopurin ist ein wichtiger Bestandteil von Therapieregimen gegen die akute lymphatische Leukämie (ALL) im Kindesalter. Das Zytostatikum wird durch das Enzym Thiopurin-S-Methyltransferase (TPMT) metabolisiert und detoxifiziert, das bei einem von 200 Patienten in Europa genetisch bedingt komplett fehlt. Konsequenz kann eine letale Myelosuppression sein, die sich nach einer TPMT-Genotypisierung vor Therapiebeginn und einer entsprechenden Dosisreduktion vermeiden lässt.



Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Familiäres Risiko und Erblichkeit bei Zwillingen

In einer Langzeitbeobachtungsstudie, durchgeführt an Zwillingspaaren in vier nordeuropäischen Ländern, zeigte sich für einen Zwilling ein erhöhtes Krebsrisiko, wenn auch der andere Zwilling an Krebs erkrankt war. Für bestimmte Krebsarten, darunter Prostatakrebs, Melanome sowie Brust-, Eierstock- und Gebärmutterkrebs, konnte ein erhöhtes familiäres Risiko nachgewiesen werden.



Rosemarie Ziegler, Albershausen
Vielversprechende Wirkung von Synbiotika auf die Immunfunktion

Die Ergebnisse einer Metaanalyse randomisierter klinischer Studien, in denen die Wirksamkeit von Synbiotika zur Behandlung oder Prävention der atopischen Dermatitis untersucht wurde, unterstützen deren therapeutische Anwendung. Insbesondere Synbiotika mit unterschiedlichen Bakterienstämmen eigneten sich zur Behandlung von einjährigen oder älteren Kindern.



Dr. Tanja Saußele, Stuttgart
Keine verkürzte Antibiotikatherapie für Babys und Kleinkinder

In einer US-amerikanischen Studie war eine Antibiotikatherapie mit Amoxicillin/Clavulansäure bei Babys und Kleinkindern mit einer Mittelohrentzündung über zehn Tage wirksamer als eine verkürzte Therapie über fünf Tage.



Dr. Bettina Krieg, Stuttgart
Placeboeffekt bei Herzoperationen?