Suche / Archiv


Erweiterte Suche

35. Jahrgang Heft 2 Februar 2012

Editorial
Heike Oberpichler-Schwenk


Übersichten
Thomas Römer, Köln-Weyertal

Die Endometriose ist eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen bei prämenopausalen Frauen. Aufgrund der vielfältigen Symptomatik ist sie schwer zu diagnostizieren. In der Therapie ist die operative Entfernung der Endometrioseherde primäres Ziel. Da es sich um eine chronische Erkrankung handelt, sind medikamentöse Langzeittherapien sehr bedeutsam. Neben der symptomatischen analgetischen Therapie ist vor allem die hormonelle Therapie wichtig. Die Anwendung von Estrogen-Gestagen-Kombinationen im Langzyklus oder als Langzeiteinnahme ist zur Therapie der Schmerzen bei Endometriose geeignet. Gestagene sind hoch wirksam und ebenfalls als Langzeittherapie geeignet. Einziges derzeit in dieser Indikation zugelassenes Gestagen-Präparat ist Dienogest. Für eine Kurzzeittherapie ist auch die meist dreimonatige Anwendung von GnRH-Analoga effektiv. Eine Langzeittherapie mit GnRH-Analoga sollte nur in Ausnahmefällen und dann als sogenannte Add-back-Therapie durchgeführt werden. Die Therapie muss für jede Patientin individuell in Abhängigkeit von Ausdehnung, Lokalisation und Aktivität der Endometriose sowie eventuell bestehendem Kinderwunsch geplant und gegebenenfalls im Verlauf angepasst werden. Dabei ist ein ausgewogener Einsatz operativer und medikamentöser Therapien sinnvoll, um bei der chronischen Erkrankung möglichst lange beschwerdefreie Zeiträume zu erreichen.



Annemarie Berger, Frankfurt am Main

Die Therapie der chronischen Infektion mit dem weltweit verbreiteten Hepatitis-C-Virus (HCV) ist nach wie vor eine Herausforderung für den behandelnden Arzt. Die Standardtherapie besteht aus einer Kombination von pegyliertem Interferon alfa und Ribavirin, die inzwischen individuell je nach infizierendem HCV-Genotyp und nach Ansprechen der Therapie gestaltet wird. Mit einem Therapieerfolg ist aber dennoch in Abhängigkeit vom infizierenden HCV-Genotyp nur in 50 bis 80 % der Fälle zu rechnen. Die Entwicklung sogenannter „direct-acting antivirals“ (DAA) bietet neue Therapieoptionen, die inzwischen mit der Zulassung von zwei Inhibitoren der HCV-Protease verwirklicht wurden. Diese Medikamente geben vor allem den Patienten Hoffnung, die mit dem bislang schlechter therapierbaren HCV-Genotyp 1 infiziert sind. Sowohl Boceprevir als auch Telaprevir werden nur als Kombinationstherapie zusammen mit pegyliertem Interferon und Ribavirin gegeben, um das Risiko für eine Resistenzentwicklung zu minimieren.



Berichte
Iris Hinneburg, Halle (Saale)

Bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 muss das fehlende Insulin ersetzt werden. Dieses Therapieprinzip erscheint auf den ersten Blick einfach, doch im klinischen Alltag wirft es viele Fragen auf. In der im September 2011 aktualisierten evidenzbasierten S3-Leitlinie „Therapie des Typ-1-Diabetes“ der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) werden konkrete Empfehlungen für die Praxis gegeben. Bei der Frage, mit welchen Insulinen (Humaninsulin oder Insulinanaolga) die Therapie erfolgen soll, waren sich die Experten allerdings nicht einig.



Referiert & kommentiert
Birgit Hecht, Stuttgart
Telavancin und Ceftarolin sind wirksam bei MRSA-Infektionen

Bei einem Vortrag im Rahmen des 2. KlinPharmUpdates in Wiesbaden, einer Fortbildung unter der Schirmherrschaft der Deutschen Gesellschaft für Klinische Pharmazie e. V. (DGKPha), wurden neue Antibiotika zur Behandlung von Infektionen durch Methicillin-resistente Staphylococcus-aureus-Stämme (MRSA) vorgestellt: das Lipoglykopeptid Telavancin und das Cephalosporin Ceftarolinfosamil.



Simone Reisdorf, Erfurt-Linderbach
Stickstoffmonoxid-Inhalation für kardiochirurgische Patienten jeden Alters

Die Zulassung von Stickstoffmonoxid zur Inhalation wurde 2011 erweitert: Es steht nun für Menschen aller Altersgruppen zur Verfügung, bei denen im Zusammenhang mit einer Herzoperationen der pulmonal-arterielle Druck gesenkt sowie die rechtsventrikuläre Funktion und die Oxygenierung verbessert werden sollen. Der Einsatz des Gases wurde bei einer wissenschaftlichen Sitzung der Linde Gas Therapeutics GmbH im Rahmen des Hauptstadtkongresses der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) vorgestellt.



Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen
Neuer CD20-Antikörper für Patienten mit Blutkrebs

Mit Obinutuzumab (GA101, Roche Pharma) befindet sich ein CD20-Antikörper in der klinischen Entwicklung, der zwar an der gleichen Zielstruktur wie Rituximab angreift, jedoch auf andere Art und Weise bindet. In vitro zeigt Obinutuzumab eine stärkere Wirksamkeit als Rituximab. Der Antikörper wird derzeit in vier Phase-III-Studien bei Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphomen (NHL) und chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) untersucht.



Dr. Claudia Borchard-Tuch, Zusmarshausen
Adjuvante Therapie mit Interferon alfa-2b

Interferon alfa-2b (IFN-α2b) (Intron A®) ist in Deutschland zur adjuvanten Therapie des malignen Melanoms zugelassen. Die Behandlung führte in kontrollierten Studien zu einer statistisch signifikanten Verlängerung der Überlebenszeit. Die Daten der Studien wurden bei einem von der Firma MSD veranstalteten Seminar im Rahmen der 46. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Dermatologie (DDG) in Dresden vorgestellt [1].



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Längeres Überleben durch BRAF-Inhibitor Vemurafenib

Der Kinasehemmer Vemurafenib führte bei Melanompatienten mit einer V600-Mutation im BRAF-Gen im Vergleich mit Dacarbazin zu einer Verbesserung des Gesamtüberlebens und des progressionsfreien Überlebens. Bei einer geplanten Interimsanalyse der Phase-III-Studie BRIM3 (BRAF-inhibitor in melanoma 3) zeigte sich im Vergleich zwischen zielgerichteter Therapie und Chemotherapie eine 63%ige Reduktion des Risikos, im Beobachtungszeitraum zu sterben, und eine 74%ige Reduktion des Risikos einer Tumorprogression.



Dr. Annette Junker, Wermelskirchen
Neue Therapieoption mit Everolimus

Seit September 2011 steht Everolimus (Afinitor®) zur Behandlung von progredienten, fortgeschrittenen, pankreatischen, neuroendokrinen Tumoren (NET) in der EU zur Verfügung. Basis für die Zulassung sind die Ergebnisse einer Phase-III-Studie, in der Everolimus signifikant das progressionsfreie Überleben (PFS) auf mehr als das Doppelte verlängerte. Diese Studienergebnisse wurden auf einer Pressekonferenz der Firma Novartis Oncology im September 2011 in Leipzig vorgestellt.



Dr. Iris Hinneburg, Halle/Saale
Risiko für venöse Thromboembolien abhängig von der Gestagenkomponente

Nach den Ergebnissen einer dänischen Registerstudie birgt die Einnahme von oralen Kontrazeptiva mit den Gestagenen Drospirenon, Desogestrel oder Gestoden ein höheres Risiko für thromboembolische Ereignisse als die Einnahme von Levonorgestrel-haltigen Präparaten. Das Thromboserisiko ist auch abhängig von der Dosis des Estrogens.



Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg
Nichtsteroidale Antirheumatika schädigen den Dünndarm

Die gastrointestinalen Nebenwirkungen von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) betreffen den gesamten Magen-Darm-Trakt, also auch den Dünndarm. NSAR-induzierte Enteropathien sind zwar häufig, doch sie verlaufen meist ohne klinische Anzeichen. Nur in wenigen Fällen treten ernste Komplikationen wie Blutungen, Eiweißverluste oder Obstruktionen auf. Wie man NSAR-induzierte Enteropathien erkennt und wie man ihrer Entstehung vorbeugen kann, wurde bei einem Vortrag im Rahmen der 66. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) in Leipzig erläutert [1].



Dipl.-Biol. Anne Bleick, Stuttgart
Wearing-off rechtzeitig erkennen und die Therapiestrategie anpassen

Viele Parkinson-Patienten leiden trotz Therapie mit Levodopa und einem Dopa-Decarboxylasehemmer unter wiederkehrenden Parkinson-Symptomen. Bei einem sogenannten Wearing-off treten nicht nur motorische Parkinson-Symptome wieder auf, sondern auch nichtmotorische Störungen wie Stimmungsschwankungen, Angstgefühle, Schmerzen und ein verlangsamtes Denken. Motorische und nichtmotorische Parkinson-Symptome lassen sich mit einer Kombination aus Levodopa, Carbidopa und Entacapon gut behandeln; dieses Vorgehen war Thema eines Satellitensymposiums der Orion Pharma im Rahmen des 84. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.



Abdol A. Ameri, Weidenstetten
Paradigmenwechsel in der Diagnostik

Mithilfe von Biomarker-Bestimmungen können schon frühe pathophysiologische Veränderungen erfasst und die bislang unzureichende diagnostische Genauigkeit bei der Alzheimer-Demenz optimiert werden. Vor allem bei leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) sind Biomarker diagnostisch hilfreich. Durch die frühzeitige Diagnose können spezifische Antidementiva deutlich früher eingesetzt werden. Die neuen Kriterien zur Diagnose einer Alzheimer-Demenz wurden bei einem Symposium der Firma Merz Pharmaceuticals in Berlin vorgestellt.



Reimund Freye, Baden-Baden
Immer multimodal behandeln, jetzt auch mit Methylphenidat

Seit 2011 steht in Deutschland ein Methylphenidat-Präparat zur Verfügung, das für die Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Erwachsenen zugelassen ist. Bei einem Satellitenymposium von Medice im Rahmen des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin wurden Ergebnisse zulassungsrelevanter Studien und Instrumente zur Diagnostik der ADHS bei Erwachsenen vorgestellt. Daneben wurde die Wirksamkeit einer Psychotherapie betont.



Birgit Hecht, Stuttgart
Bei Vorhofflimmern ohne Nutzen